"Lausitzer Rundschau" vom 14.07.2006 00:00
Berliner Touristen erkunden Bauerndorf Goßmar
Erste Führung durch die neue Kulturland-Ausstellung
Dass es in der Niederlausitz rund um Luckau schöne Einblicke
und interessante Orte gibt, hat sich bis nach Berlin herumgesprochen.
Anja Müller-König, Mitinitiatorin des Kulturlandprojektes
in Goßmar, hat in dieser Woche eine Reisgruppe aus der Hauptstadt
zur ersten Führung begrüßt und mit ihnen den Rundgang
durch das einstige Großbauerndorf unternommen.
Die ersten Berliner Touristen haben in dieser Woche die Kulturland-Ausstellung
in Goßmar besucht. Im Rahmen der Kampagne Baukultur ist Goßmar
das einzige Projekt, das sich mit der dörflichen Struktur auseinandersetzt.
Besucher können einen architektonischen Spaziergang durch Goßmar
unternehmen und so einen anderen Blick auf dieses typische Straßenangerdorf
werfen, das von einer Lindenallee geprägt ist. «Goßmar
– gestern, heute, morgen» lautet das Motto der Kulturlandausstellung,
die seit dem Wochenende zu sehen ist (die RUNDSCHAU berichtete).
Einige der Gäste kennen Landwirtschaft noch aus Kinder- und
Jugendtagen, so wie Helga Kuhlmann (69). „Ich bin in Ostpreußen
auf dem Land groß geworden. Da hieß es, auf dem Hof
mitarbeiten oder es gibt nichts zu essen“, erklärt sie.
Später habe sie dann in Rostock studiert und sei – der
Liebe wegen – in Berlin sesshaft geworden.
Als Studentin sei sie auch mit dem Tagebau in Berührung gekommen,
erzählt Kuhlmann. Fasziniert sei sie von der Technik gewesen,
mit der die Kohle gefördert wurde, die später in den heimischen
Kachelofen gewandert sei. Über ökologische Folgen hätte
sie sich damals keine Gedanken gemacht.
An Entwicklung interessiert
„Heute möchte ich mir ansehen, was aus der Landschaft
geworden ist und wie sich die Bergbaufolgelandschaft entwickelt
hat. Darauf bin ich schon sehr gespannt“, erklärt Helga
Kuhlmann. Sie freue sich auch auf den anschließenden Ausflug
nach Wanninchen und an den Schlabendorfer See.
Vom Ort begeistert
«Ich bin von Goßmar total begeistert» , sagt Ursula
Kälbelmann (71) aus Berlin-Ahrensfelde. Sie wollte mal raus
aus der Großstadt und eine Region kennen lernen, in der sie
noch nie gewesen sei, sagt die Berlinerin. Sie sei beeindruckt von
der Initiative der Einwohner, ihr Dorf einer breiteren Öffentlichkeit
bekannt zu machen und mit den Anschauungstafeln auf die Besonderheiten
von Höfen, Häusern und der Dorfanlage hinzuweisen, erklärt
die 71-Jährige.
„Ganz toll finde ich, dass wir einmal das Brotbacken in einem
alten Backofen erleben konnten“, sagt Ursula Käbelmann.
Ihr habe das frische Brot, das auf dem Hof von Anja Müller-König
gebacken wurde, super geschmeckt. Und sie freue sich schon auf die
Kaffeetafel bei Petra Kolkwitz, denn dann werde der – ebenfalls
in diesem Ofen gebackene Kuchen – auf den Tisch kommen.
«Solche Ausflüge sprechen sich herum. Wir haben viele
Anfragen zu den Touren in die Luckauer Region» , erklärt
Busunternehmer Norbert Lenz (52). Auch Mundpropaganda sei eine gute
Werbung für die zahlreichen Angebote und Programme, erklärt
der Berliner. Von Schlachtfesten bis Stadtführungen reiche
die breite Skala und «präsentiere die Region auf eine
nette, impulsive und sehr informative Art» , sagt Lenz. Das
käme bei den Touristen immer gut an. Oft seien die Großstädter
verwundert, dass es sich auch auf dem Dorf schön leben lasse.
Deshalb und wegen der guten Küche käme er sehr gern nach
Goßmar, erklärt der Reiseunternehmer.
„Ich möchte viele Besucher in unsere schöne Umgebung
locken und sie über unser regionalen Grenzen hinaus bekannt
machen“, erklärt Petra Kolkwitz. Die Küchenchefin
sagt, dass auf dem Dorf nicht nur gewohnt und gelebt, sondern auch
ausgebildet werde. Bei ihr würden seit Jahren bis zu fünf
Lehrlinge in die Geheimnisse des Kochens eingeführt. „Unser
Dorf profitiert von eine guten Gemeinschaft und möchte zeigen,
dass es sich lohnt, auf dem Land zu leben“, so Petra Kolkwitz.
Infotafeln an der Dorfstraße
Beim Rundgang konnten die Touristen die über Jahre erfolgten
baulichen Veränderungen im Dorf nachvollziehen. „Die
Menschen haben immer versucht, ihre Häuser der Zeit anzupassen,
das Antlitz zu verändern. Aber die Häuser haben auch die
Bewohner verändert“, sagt Anja Müller-König.
Davon zeugten unter anderem die Infotafeln entlang der Linden gesäumten
Dorfstraße mit ihrem Sommerweg, der aus andern Dorfbildern
schon verschwunden sei, erklärt Müller-König.
Zum Thema Kulturland-Ausstellung
Führungen durch die Kulturland-Ausstellung in Goßmar
können bei Petra Kolkwitz angemeldet werden. Sie steht unter
der Telefonnummer 03544/60 65 zur Verfügung.
Von Gudrun Driesen |