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"Lausitzer Rundschau" vom 10.07.2006 00:00
Goßmarer spazieren durch ihr Ausstellungsdorf

Über 100 Gäste bei Eröffnung des Kulturlandprojektes am Sonntag
Mit einer Führung durchs Dorf ist gestern Vormittag in Goßmar (Gemeinde Heideblick) das Kulturland-Projekt im Ort eröffnet worden. Über 100 Einwohner und Gäste begaben sich auf einen «architektonischen Spaziergang» durch das Niederlausitzer Dorf. Bis Dezember 2006 sollen die neun Anschauungstafeln über Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Goßmar zu sehen sein.

Während einer Führung am Sonntagvormittag lassen sich Goßmarer und ihre Gäste die Anschauungstafeln erklären, die entlang der Dorfstraße aufgestellt worden sind.
Hofnamen werden auf einer der Tafeln vorgestellt, auf einer weiteren ist die Geschichte des Kolonistendorfes zusammengefasst. An einer dritten Stelle werden Niederlausitzer Siedlungs- und Hofformen in Wort und Bild erklärt. Skizzen und Fotos von alten und neuen Fassaden entlang der Dorfstraße dienen der Veranschaulichung.
Der Kulturlandverein hat sich nach Aussage von Geschäftsführerin Brigitte Faber-Schmidt (46) aus Anlass des 225. Geburtstages von Karl Friedrich Schinkel die brandenburgische Baukultur als Thema gesetzt. «Goßmar ist das einzige Projekt, das sich mit der dörflichen Struktur auseinander setzt» , erklärt Faber-Schmidt. Deswegen sei die Initiative des Heideblick-Dorfes etwas ganz Besonderes.
In Goßmar sei vor zwei Jahren die Idee geboren worden, «als wir an einem Küchentisch saßen und alte Fotos bestaunten» , sagt Tierärztin Anja Müller-König (39), eine der Initiatorinnen. «Wir haben Bilder gesehen von Orten, die es so nicht mehr gibt.» Immer mehr Einwohner hätten ihre Alben geöffnet und Geschichten zu den historischen Bildern erzählt.
Dass aus den Fotos und Erinnerungen eine Ausstellung über Baukultur auf dem Land geworden ist, dazu haben Dozenten und Studenten der Fachhochschule Lausitz (FHL) in Cottbus maßgeblich beigetragen. Die Architektur-Studenten um Lehrkraft Barbara Ingenweyen (46) «haben die Fassaden beidseitig der Dorfstraße aufgenommen, die historischen Fotos untersucht und mit dem gegenwärtigen Zustand verglichen» , fasst die Cottbuser Dozentin die Arbeit zusammen. «Es war spannend zu erfahren, welche Veränderungen im Dorf stattgefunden haben» , ergänzt Student Hagen Wolf (30) aus Cottbus. Wichtigste Erkenntnis der Arbeit sei, «dass es im Dorf immer Wandel, ein Nebeneinander von alten und neuen Häusern, von Baulücken gegeben hat» , so Barbara Ingenweyen. Sie wünscht sich ein stärkeres Augenmerk auf die ländliche Baukultur. «Denn die Baumärkte haben eine verheerende Wirkung. Aber das ist kein Phänomen der Lausitz» , so die Wissenschaftlerin.
Nun sind die Ergebnisse auf neun Anschauungstafeln nachzulesen. Während der ersten Führung am Sonntag werden die Besucher zu den Objekten geleitet. «Ich habe das Gefühl, die Tafeln stehen etwas verloren im Dorf» , sagt Hanne Sommer. Die 43-Jährige ist ebenfalls Dozentin an der Fachhochschule Lausitz in Cottbus und hat im Fach «Digitale Medien» gemeinsam mit den Architekturstudenten die Anschauungswände entworfen.
Doch die eher zurückhaltende Präsentation scheint durchaus gewollt, denn «das Unscheinbare ist das Spektakuläre» , heißt es bereits in der Einladung. «Die Bürger sollen ermuntert werden, bewusster durch ihr Dorf zu gehen. Gäste sollen angeregt werden, genauer hinzuschauen» , sagt Kulturland-Vorsitzende Faber-Schmidt.
Und vielleicht entspinnt sich daraus auch eine Diskussion über Uwe Mücklauschs Vision eines Bauernhofs der Zukunft. «Früher haben mehrere Generationen einer Familie auf dem Hof zusammengelebt, künftig bewirtschaften vielleicht mehrere Familien gemeinsam einen Hof» , erklärt der 39-Jährige. Auch in dieser Konstellation könnten sich Jung und Alt unterstützen. «Ich bin gespannt, wie die Goßmarer reagieren werden» , so der Architekt.
Grit Hasemann (40) und ihr Vater Horst (40) sind begeistert: Die Ausstellung sei «eine sehr gute Idee» , sagen beide. Auch sie hätten dafür ihre Familienalben geöffnet.
Zum Thema Führungen möglich
Die Freilandausstellung in Goßmar lässt sich gut auf eigene Faust erkunden. Führungen sind bis Dezember nach vorheriger Anmeldung jedoch auch möglich (Kontakt: Petra Kolkwitz, 03544/60 65).

Von Tilo Winkler

Foto: Tilo Winkler
Während einer Führung am Sonntagvormittag lassen sich Goßmarer und ihre Gäste die Anschauungstafeln erklären, die entlang der Dorfstraße aufgestellt worden sind.
 
 
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