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Home > Aktuelles der Gemeinde > Kulturlandprojekt > Heideblick-Dorf Goßmar wird eine Ausstellung

"Lausitzer Rundschau" vom 05.07.2006 00:00

Das ganze Heideblick-Dorf Goßmar wird eine Ausstellung

Kulturland-Projekt wird am Sonntagvormittag mit Führung eröffnet

Andreas Müller (28) und sein Bruder Thomas Müller (34) haben gut zu tun: Der Zimmerermeister und der Flugzeugmechaniker stellen in ihrem Dorf Goßmar (Heideblick) gerade neun Anschauungstafeln auf. Allerspätestens Sonntagvormittag müssen die Arbeiten beendet sein. Dann wird der ganze Ort offiziell zur Ausstellung. Die Goßmarer bieten ihren Gästen ab 9. Juli einen «architektonischen Spaziergang durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eines Niederlausitzer Dorfes» an.

Anja Müller-König, Andreas Müller und Thomas Müller (von rechts) stellen eine von neun Tafeln auf, die zur Kulturland-Ausstellung gehören, die am 9. Juli in Goßmar eröffnet wird.
«Goßmar – gestern, heute, morgen» ist eines der Projekte, die in diesem Jahr vom Verein Kulturland Brandenburg gefördert werden. Im Mittelpunkt der Kulturland-Aktivitäten steht im Jahr 2006 die brandenburgische Baukultur.
Im über 600 Jahre alten Heideblick-Dorf Goßmar wollen die Initiatoren am Beispiel der Dorfstraße die Architekturgeschichte eines Bauerndorfes erlebbar machen. «Von der ersten Idee bis heute sind zwei Jahre vergangen» , sagt Anja Müller-König. Die 39-jährige Tierärztin gehört ebenso zu den Initiatoren wie Ortsbürgermeister Bernd Lohde (45) und Architekt Uwe Mücklausch (40). Sie holten sich Studenten des Masterstudienganges Architektur der Fachhochschule Lausitz (FHL) mit ins Boot. Die zunächst rein private Initiative bekam mit dem Förderverein Naturpark Niederlausitzer Landrücken einen Träger und fand schließlich bei den Kulturland-Verantwortlichen Gehör (die RUNDSCHAU berichtete).
«Wir sind stolz, dass wir ein Kulturland-Projekt geworden sind und es aus eigener Kraft geschafft haben» , erklärt Anja Müller-König. Ihren Angaben zufolge steuert Kulturland 8000 Euro zur Finanzierung der Freilandausstellung bei, 6000 Euro kommen demnach aus dem Haushalt der Gemeinde Heideblick. «Und 2000 Euro sind private Spenden aus Goßmar» , ergänzt die Tierärztin. «Das ist enorm viel und zeigt, dass die Goßmarer das Projekt mittragen.»
Doch längst nicht nur am gespendeten Geld lasse sich erkennen, dass die Ausstellung beidseitig entlang der Dorfstraße von den Einwohnern unterstützt werde. «Sie haben ihre Fotoalben für uns geöffnet und uns ihre Erinnerungen erzählt. Jedes Bild hat eine Geschichte» , so die 39-Jährige. Über 500 historische Aufnahmen seien so zusammengekommen. Im Rahmen der Architektur-Ausstellung entlang der Dorfstraße könne allerdings nur ein Bruchteil gezeigt werden. «Wir planen zusätzlich eine Broschüre, die die Ausstellung ergänzen soll» , so Anja Müller-König.
Die Architektur-Studenten wiederum analysierten die Bilder, fertigten neue Aufnahmen zum Vergleich, zeichneten Fassaden nach, vermaßen Höfe und zogen daraus ihre Schlüsse. Die Ergebnisse ihrer Projektarbeit sind dann ab Sonntag auf den Tafeln zu sehen. So werden die Niederlausitzer Siedlungsformen am Beispiel des Angerdorfes Goßmar erläutert, die Struktur der Höfe dargestellt, die Architektur der Bauernhäuser erklärt und ein Vergleich zwischen alten und neuen Fassaden gezogen. Außerdem wagen die Ausstellungs-Macher einen Blick in die Zukunft. Schlagwörter beschreiben dazu die gegenwärtige Situation: «Wegzug, Überalterung, kleine Familien in großen Höfen, umgenutzte Wirtschaftsgebäude, Leerstand.» Goßmar müsse sich wie viele Dörfer Brandenburgs neu orientieren, um als Gemeinschaft zu überleben, heißt es auf der Ausstellungstafel über die Perspektiven. Architekt Uwe Mücklausch skizziert darauf zugleich die Idee des Generationenhofes und stellt sie zur Diskussion. Nach Mücklauschs Vorstellung leben dort mehrere Familien in getrennten Wohneinheiten, sie teilen sich die Unterhaltung des Hofs.
Eine wichtige Erkenntnis hätten die Goßmarer bereits heute gewonnen, heißt es in einer Einführung zur Ausstellung: «Der Vergleich zwischen aktuellem und historischem Baubestand zeigt, dass nicht nur verändernde Lebensumstände und Nutzungsanforderungen, sondern auch Zeitgeschmack und steigender Wohlstand stetigen Wandel für die Gebäude des Dorfes bedeuten.» Das vielfach zitierte Dorfidyll der Vergangenheit habe es auch in der Architektur nicht gegeben.
Zum Thema Führungen
- Die Akteure des Goßmarer Projektes führen zur Eröffnung am Sonntag, 9. Juli, die Gäste durch die Freilandausstellung. Beginn ist laut Programm um 11 Uhr. Zuvor gibt es um 10 Uhr einen Gottesdienst.
- Bis Dezember 2006 sind nach vorheriger Anmeldung Führungen möglich (Kontakt: Petra Kolkwitz, 03544/60 65).

Von Tilo Winkler

Foto: Tilo Winkler
Anja Müller-König, Andreas Müller und Thomas Müller (von rechts) stellen eine von neun Tafeln auf, die zur Kulturland-Ausstellung gehören, die am 9. Juli in Goßmar eröffnet wird.
 
 
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